Initiative Krankenpflege e.V.

Presseschau

Saarbrücker Zeitung vom 14.April 2003 :

Komplimente mit Seitenhieben

Detlev Schönauer begeistert mit "Allegro parodistico" im Anatomie-Hörsaal der Universitätskliniken in Homburg

Homburg. Als der letzte Ton von Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre verklingt, ist die Vorstellung zu Ende, das Publikum klatscht, trampelt und pfeift vor Begeisterung, und der Künstler hat wieder einmal bewiesen, dass er einen der großen Konzertsäle dieser Region - in diesem Fall den Anatomie-Hörsaal der Homburger Universitätskliniken - füllen kann. Normalerweise beginnt ein solcher Abend mit der Ouvertüre, aber was ist schon normal, wenn der Künstler Detlev Schönauer heißt, sein Bistro in eine Opernbühne verwandelt und das Programm "Allegro parodistico" heißt?

Als Kind habe er schon davon geträumt, in den großen Konzertsälen aufzutreten: "Carnegie-Hall in New York, Royal-Albert-Hall in London oder eben die Anatomie in Homburg." Hier ist er mittlerweile Stammgast. Seine Solo-Kabarett-Programme sind feste Bestandteile der Reihe "Kunst und Kultur im Krankenhaus", mit der die Initiative Krankenpflege beweist, dass in einem Krankenhaus viel mehr passieren kann als normalerweise. "Wir wollen Patienten und Pflegepersonal zu ein paar Stunden Entspannung verhelfen, weg vom Alltag, von Stress und Krankheit", sagt Paul Staut, der Vorsitzende der Initiative.

Vor neun Jahren wurde die Organisation von Pflegekräften für Pflegekräfte gegründet, als Sprachrohr und Interessenvertretung, die in der Zwischenzeit vor allem mit ihren Fortbildungs-Veranstaltungen überregionale Bedeutung erlangt hat. Daneben unterstützt die Initiative Projekte für die Patienten der Kinderklinik, organisiert kulturhistorische Lesungen, Konzerte und Kabarett-Veranstaltungen. An diesem Abend also wieder Detlev Schönauer, der als Wirt von Jacques Bistro mit "Allegro parodistico" eine heitere Mischung aus Musik und Stammtisch-Plauderei mitgebracht hat. "Bonsoir", begrüßt er das Publikum. "Bonsoir, Hommeburch, Zentrum von die Welt – Nabel von die Welt, wenn man guckt von vorn. Wenn man guckt von hinten..." Er kann's eben nicht lassen. Auf jedes Kompliment folgt ein kleiner Seitenhieb. Damit müssen sich natürlich auch die Pfälzer im Publikum abfinden, denen der Bistro-Wirt verspricht, es werde ihnen nichts Böses passieren an diesem Abend. Um gleich darauf Homburg als "die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn" zu bezeichnen. Wobei allen klar sein dürfte, wer auf welcher Seite der Grenze zu Hause ist.

Doch dann kommt Jacques zum Thema des Abends, der Musik. "Meine Nicht geht bei die Kommion", da muss unbedingt ein Geschenk her, und der Onkel hat sich "übergelegt", dass ein Musikinstrument das Richtige wäre. Und es folgt Schönauers ganz eigene Instrumentenkunde, von der Bratsche, "die Pfälzer von die Orchester", über das Klavier und die Gitarre bis zur Klarinette und der Querflöte. Schönauer beherrscht sie alle - zumindest mit fröhlichem Dilettantismus, und er verarbeitet ohne Respekt vor großen Komponistennamen Motive von Beethoven bis Tschaikowski. Dazwischen plaudert er - saarländisch-französisch, saarländisch-sächsisch, saarländisch-bayerisch - über Lehrer mit Schüler-Allergie oder die Gesundheitsreform. Ein bisschen sehr stammtischgeprägt verkündet er die Ansichten eines Wirtes zu amerikanischer Politik und deutscher Vergangenheitsbewältigung.

Doch dann kommt der Höhepunkt des Abends, die erste saarländische Oper der Musikgeschichte. "Die Meischdersäufer vom Karlsberch": Eine Tramödie in mehreren Akten, in der Schönauer vom tiefen Bass bis zum schrillen Chaos-Sopran jede Rolle mit sich selbst besetzt. So erfolgreich, dass das Publikum vom Komponisten, Texter und Darsteller mehrere Zugaben fordert. So lange, bis Jacques seine Stammgäste kurz vor Lokalschluss imitiert: kräftiger Rülpser, schwankender Körper, stierer Blick - "allé, ge’ Naacht !!". Und das war's.

CHRISTIANE ROOS